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Militärforschung an Berliner und Brandenburger UniversitätenMit der zunehmenden Auslandsaktivität der Bundeswehr kommt es seit einigen Jahren an Universitäten zur Einführung von militärbezogenen Lehr- und Forschungsgebieten. So existiert seit 2003 an der TU Berlin das Fach „Verteidigungstechnologie, Streitkräfteökonomik, Geopolitik“. Die Universität Potsdam hat einen Studiengang „Military Studies“ eingerichtet und trägt als Teil des Sonderforschungsbereichs 700 zu Forschungen bei, deren Ziele der politische Eingriff in andere Staaten und die Veränderung des negativen Bildes von Auslandseinsätzen sind.Bundesweit werden seit einigen Jahren vermehrt universitäre Lehr- und Forschungsgebiete aufgebaut, erweitert, umgebaut und finanziell stark gefördert, die politischen, psychologischen, technischen und naturwissenschaftlichen Fragen der Kriegsführung gewidmet sind. Diese Entwicklung muss mit dem politischen Willen der deutschen Regierung erklärt werden, die Truppen der Bundesrepublik in Zukunft mehr an Kriegen zu beteiligen. Unterstützt und geleitet wird sie dabei von der deutschen Rüstungsindustrie, zu der Konzerne wie EADS (Militärtransporter A400M), die Siemens AG (Elektronik für Stinger-Raketen), die Thyssen Krupp AG (Fuchs-Panzer), Heckler&Koch (Sturmgewehre) und Blohm+Voss (Kriegsschiffe) gehören. Daneben bemührt sich eine reihe konservativer ProfessorInnen begeistert um die Pflege der neuen deutschen Stärke. Auch an der TU Berlin wird Rüstungsforschung betrieben, obwohl ihr Akademischer Senat im Jahr 1991 gegenteiliges beschlossen hat. Der Grund hierfür war und ist, dass die TU als ingenieurs- und naturwissenschaftlich ausgerichtete Uni alle technischen Mittel zur Kriegswaffenforschung hat und außerdem in der Nazizeit, damals noch unter dem Namen Technische Hochschule Charlottenburg, eine große Rolle in der Kriegswaffenforschung der Wehrmacht gespielt hat. Prof. Dr. Markus KerberZwar hat der Akademische Senat bekräftigt, dass Rüstungsforschung an der TU nicht stattfinden dürfe, doch findet die Vorlesung dieses Semester aufs Neue statt. Da sie sich nicht mit der Verwirklichung von Rüstungstechnologie beschäftigt, kann Prof. Kerber behaupten, es handle sich nicht um Rüstungsforschung. Diese Spitzfindigkeit täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es in der Vorlesung um eine ökonomischere Gestaltung von Kriegen geht, also darum, sie für die Bundeswehr kostensparender also leichter durchführbar zu machen. Die findet im Sommersemester 2009 14-tägig von 14-16 Uhr im Raum H 3004 statt. Fragen können an den Prof. Markus Kerber per Email (buero@officemck.de) oder telefonisch (030/843 141 36) gerichtet werden. Man kann von ihm auch Artikel in der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ lesen [2]. An der Universität Potsdam wurde ein ganzer Masterstudiengang – Military Studies – auf Betreiben des Bundesverteidigungsministeriums mit der wissenschaftlichen Unterstützung des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes und des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr geschaffen. Der Studiengang richtet sich an GeisteswissenschaftlerInnen und speziell AbsolventInnen der Bundeswehrhochschulen und ist der erste seiner Art. Sein Lehrplan beinhaltet die Militärgeschichte des Altertums und der modernen Welt, Sicherheitspolitik, Konfliktforschung und Militärsoziologie und zielt darauf ab, aus den Kriegen der Vergangenheit Erkenntnisse für die Kriege der Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Mit derzeit 14 Lehrkräften, deren Namen und Emailadressen sich für Fragen auf der Homepage des Studiengangs finden [3], ist der Studiengang gut ausgestattet. Daneben ist die Uni Potsdam mit ihrem Lehrstuhl „Internationale Politik“ von Prof. Dr. Fuhr in den Sonderforschungsbereich (SFB) 700 eingebunden, der sich unter Federführung der FU Berlin und mit Unterstützung der Hertie School of Governance, des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und des Deutschen Instituts für Internationale Sicherheit und Politik neben neoliberalen anmutenden Ansätzen zu internationaler Wohlfahrt und Wirtschaft auch mit Formen politischer Eingriffe in andere Staaten sowie der Erzeugung von Akzeptanz für Kriegseinsätze beschäftigt. Während an technischen Universitäten also vornehmlich Rüstungsforschung stattfindet, dienen der Studiengang Military Studies und das SFB 700 der propagandistischen Rückendeckung zukünftiger Bundeswehreinsätze und der Herausbildung eines positiven Armee-Verständnisses, das vielen Konservativen in Deutschland fehlt, sowie der soziologischen und psychologischen Kriegsfolgenforschung bezogen auf die Krieg führenden Staaten und die beteiligten Soldaten. Das Entscheidende ist, dass diese Lehr- und Forschungsgebiete nichts mit Friedensforschung zu tun haben, auch wenn sie zuweilen in ihrer Selbstdarstellung den Eindruck erwecken, sondern der Durchführbarkeit und öffentliche Vermittelbarkeit von Kriegen dienen. Dies hier ist ein Aufruf an alle, die sich betroffen fühlen und etwas gegen Kriegswissenschaften an ihren Unis unternehmen wollen – StudentInnen, wissenschaftliche und technische MitarbeiterInnen, ProfessorInnen und DozentInnen und andere AktivistInnen. Widersetzt euch dem Aufbau der Kriegswissenschaften an eurer Universität. Findet heraus, welche Fächer angeboten werden, klärt ihren Inhalt, macht sie bekannt, nutzt eure Plätze in universitären Gremien (Akademischer Senat, Fakultätsrat, Institutsrat etc.) um die Fächer zu behindern und abzuschaffen und sorgt dafür, dass sie nicht wiederkommen.
[1] Online-Vorlesungsvrezeichnis der TU Berlin [2] Prof. Dr. Markus Kerber in der Jungen Freiheit über Deutschtum [3] Homepage des Studiengangs "Military Studies" an der Uni Potsdam
TAZ vom 10.6.2007: "TU-Antifa fährt schweres Geschütz auf" Artikel "Rüstungsseminar an der TU Berlin trotz Verbot von Rüstungsforschung" Artikel zum Wirken von Prof. Dr. Kerber Indymedia-Bericht vom 8.11.2008: "Bundeswehr an den Hochschulen" FAU Düsseldorf zum Master-Studiengang "Military Studies" an der Uni Potsdam TAZ vom 11.10.2007: "Diplom-Feldherr in vier Semestern" Artikel über universitäre Rüstungsforschung in Deutschland Artikel über Militärwerbung an der TU Berlin |
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